Psychoanalyse Netzwerk

Analytische Psychotherapie

Was ist analytische Psychotherapie?
Wann ist eine analytische Psychotherapie hilfreich?
Wie verläuft eine Behandlung?
Wie lange dauert eine analytische Psychotherapie?
Wer übernimmt die Kosten?

 

Was ist analytische Psychotherapie?

Seit ihrer Begründung durch Sigmund Freud ist die Psychoanalyse als Behandlungsmethode zur Heilung von seelischen Erkrankungen intensiv weiterentwickelt worden.

Ein breites Spektrum an Behandlungsarten.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich so ein breites Spektrum psychotherapeutischer  Anwendungsformen entwickelt.
Im Rahmen der kassenfinanzierten Psychotherapie werden verschiedene kürzere und längere Therapieverfahren eingesetzt, die nachweislich wirksam sind.
Dazu gehören neben der analytischen Langzeitpsychotherapie die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die psychoanalytische Fokal- und Kurzzeittherapie sowie verschiedene Formen der psychodynamischen Therapie. (siehe auch: Rahmenbedingungen).
Die analytische Psychotherapie kann als Einzeltherapie oder als Gruppentherapie, in einer spezifischen Form auch für Kinder und Jugendliche oder für Paare durchgeführt werden.
 

Wann ist eine analytische Psychotherapie hilfreich?

Die analytische Psychotherapie eignet sich für die Behandlung sehr vieler Krankheitsbilder. Zu den Krankheiten, die sich erfolgreich mit analytischer Psychotherapie behandeln lassen, gehören vor allem Depression, Angststörungen, Zwangskrankheiten, Persönlichkeitsstörungen und psychosomatische Erkrankungen.

Immer dann, wenn eines oder mehrere der folgenden Symptome solcher Krankheiten verstärkt oder über längere Zeit auftreten, ist es ratsam, psychotherapeutische Hilfe zu suchen:

  • Ängste, Niedergeschlagenheit, Unruhe, Lebensunlust, innerer Rückzug
  • sich wiederholende Kontakt- und Beziehungsschwierigkeiten
  • Spannungszustände, z. B. Spannungskopfschmerzen, Schlafstörungen, Nägelkauen, Tics
  • Zwänge, d.h. immer wiederkehrende Gedanken oder Handlungen, die als störend oder unsinnig erlebt werden
  • selbstverletzendes Verhalten, Gedanken an Selbsttötung
  • auffallend aggressives Verhalten
  • Lern- und Arbeitsstörungen
  • sexuelle Probleme
  • Suchtverhalten, z.B. Alkoholsucht, Medikamentensucht, Drogensucht, Spielsucht
  • Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Fettsucht
  • körperliche Erkrankungen, an denen  seelische Faktoren als Auslöser beteiligt sein können, wie Asthma, Migräne oder Neurodermitis

Psychische Probleme können aber auch als Reaktion auf schwere körperliche Erkrankungen auftreten, etwa bei Krebs, einem Herzinfarkt oder einer HIV-Infektion. Die seelische Bewältigung solcher Krankheiten lässt sich durch psychoanalytische Therapie oftmals positiv beeinflussen.
 

Wie verläuft eine Behandlung?

Die Vorgespräche.

Vor der eigentlichen Behandlung finden Vorgespräche statt.
Hier klären Patient und Therapeut, welches Verfahren im Einzelfall am besten geeignet ist, Symptome und Beschwerden nachhaltig zu lindern und aufzulösen. Ob eine Kurzzeittherapie oder eine Langzeittherapie in Frage kommt, hängt dabei von der Schwere und der Besonderheit der jeweiligen Problematik ab.
Neben der Frage, welches Therapieverfahren das beste ist, wird auch geklärt, ob Patient und Therapeut zueinander passen, denn das ist, neben der Erfahrung des Therapeuten, einer der wesentlichen Faktoren für den Behandlungserfolg.

Das Setting.

Die analytische Psychotherapie ermöglicht einen Zugang zu den unbewussten Tiefen der Seele. Dazu tragen regelmäßige Sitzungen und das besondere Setting in den einzelnen Therapiestunden bei. Bei kürzeren Verfahren und der Gruppentherapie finden die Sitzungen einmal pro Woche, im Falle einer Langzeittherapie zwei- bis viermal pro Woche statt. Häufig liegt der Patient dabei auf einer Couch. Die entspannte Körperlage fördert die Konzentration und eine intensive Beschäftigung mit sich selbst und den eigenen Phantasien, Wünschen, Träumen, Gefühlen und Gedanken.

Die Ziele.

Die analytische Psychotherapie zielt auf eine langfristige Verbesserung der Lebenssituation. In der Behandlung geht es nicht darum, Symptome möglichst schnell zum Verschwinden zu bringen.
Vielmehr ist es das Ziel, dem Patienten zu ermöglichen, bisher unbekannte Seiten seiner Persönlichkeit zu entdecken und Einsichten in sich selbst zu gewinnen. So werden Symptome überflüssig, weil sie dem Patienten nicht mehr als Hinweis für einen ungelösten Konflikt dienen müssen, den er mit sich herumträgt.
Das Bewusstmachen von Unbewusstem hilft dem Patienten, langfristig seine Haltung gegenüber sich selbst, seinen Mitmenschen und seiner Umgebung positiv zu verändern und so das eigene Leben intensiver, selbstbestimmter, zufriedener und gefühlvoller zu erfahren.
Durch den Blick auf sich selbst stehen dem Patienten mehr Möglichkeiten und Ressourcen zur Verfügung, Probleme und unvermeidliche Konflikte  zu bewältigen. 

Zentrale Fragen, die in der Psychoanalyse behandelt werden:

  • Wer bin ich?
  • Wie bin ich so geworden?
  • Welche Funktion haben die Symptome?
  • Was brauche ich?
  • Wie kann ich werden?

Ein anstrengender Weg, der sich lohnt.

So erfolgreich eine Psychoanalyse nachweislich ist: Der Weg zu einem besser ausbalancierten Seelenleben verläuft oftmals gewunden und hält Überraschungen bereit.
So können sich zu Beginn der Therapie die Beschwerden zunächst schnell bessern, um dann zwischenzeitlich wieder verstärkt aufzutreten.
Oft ist auch eine längere, anstrengende Phase des Durcharbeitens der Probleme notwendig und eine intensive Phase der Aneignung von neu entdeckten Lösungsmöglichkeiten, bevor der Patient eine dauerhafte Veränderung im Erleben und Verhalten erreicht.

Zentrale Probleme erkennen.

Typisch für eine analytische Psychotherapie ist, dass die Wiederholungsmuster nicht nur für die Alltagssituationen besprochen werden, sondern dass auch danach geforscht wird, wo eine sogenannte Übertragung stattfindet und sich die Muster innerhalb der therapeutischen Beziehung abzeichnen.
Das ist deshalb so wichtig, weil ganz unmittelbar die inneren Zusammenhänge erfahren und besprochen werden können und bisher unbewusste, unbekannte Aspekte des Themas erarbeitet werden.
Die Therapeuten achten dabei auf die Gefühle und Impulse, die die Patienten in ihnen selbst auslösen – ohne sie jedoch auszuleben. Diese sogenannte Gegenübertragung hilft dem Analytiker, die zentralen Probleme des Patienten zu erkennen, und ermöglicht  ihm, den Patienten in seiner ganz individuellen Thematik besser zu verstehen.

Neue Zugänge zu sich selbst gewinnen.

Das Auftauchen von Unbewusstem und Verdrängtem im Verlauf einer Behandlung wird durch die Therapieregeln gefördert:
Alles Seelische soll möglichst unzensiert zugelassen werden; alles, was einem gerade durch den Kopf geht, sollte ins Gespräch kommen können.
Dazu bietet die Therapie einen geschützten Raum.
Der Analytiker hört intensiv zu und spiegelt die auftauchenden Gefühle, deutet mögliche innere Zusammenhänge mit früher Erfahrenem oder zeigt alternative Sichtweisen auf.
So arbeitet man sich sorgfältig an einem inneren „roten Faden“ entlang und nutzt die Einsichten, um einen neuen Zugang zur Welt und zu sich selbst zu gestalten.


Wie lange dauert eine analytische Psychotherapie?

Die Dauer der Behandlung hängt von der jeweiligen Form der Therapie ab.
Die analytische Psychotherapie ist auf einen längeren Zeitraum ausgelegt.
Das liegt in der Natur der Sache: Lange Verdrängtes kann der analytischen Arbeit und der Bewusstmachung widerstehen, alte Muster können trotz ihrer offensichtlichen Nachteile so vertraut sein, dass sie scheinbare Sicherheit versprechen und alles Neue zu ängstigend erscheint.
Deshalb zahlen die Krankenkassen 160 – 300 Stunden. Das bedeutet bei einer Frequenz von zwei bis vier Sitzungen pro Woche eine Behandlungsdauer von zwei bis vier Jahren.
Kürzere Verfahren, die sich aus der analytischen Psychotherapie ableiten, sind die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (50 bis 100 Sitzungen) und die psychoanalytische Fokaltherapie (bis zu 25 Sitzungen), die stärker auf abgrenzbare Themen zentriert durchgeführt werden.
Auch in akuten Krisensituationen oder wenn sich in den Vorgesprächen nicht ausreichend klären lässt, ob eine analytische Psychotherapie angezeigt ist, können Psychoanalytiker eine Kurzzeittherapie (bis zu 25 Sitzungen) anbieten.


Wer übernimmt die Kosten?

Bei entsprechender Indikation gelten analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, psychoanalytische Fokaltherapie und Kurzzeittherapien als Krankenbehandlungen und werden – ebenso wie die Vorgespräche – von den gesetzlichen Krankenkassen und teilweise auch von privaten Krankenversicherungen finanziert.
Näheres dazu finden sie hier: Rahmenbedingungen.

[ nach oben ]