Psychoanalyse Netzwerk

Analytische Gruppentherapie

Was ist analytische Gruppentherapie?
Wann ist eine analytische Gruppentherapie hilfreich?
Wie verläuft eine Behandlung?
Wie lange dauert eine Therapie?
Wer übernimmt die Kosten?
Wie diskret ist der Umgang mit vertraulichen Informationen?

 

Was ist analytische Gruppentherapie?

Neben der analytischen Einzelpsychotherapie hat sich auch die analytische Gruppenpsychotherapie als erfolgreiche Behandlungsform für psychische Probleme bewährt.
Im Unterschied zur Einzelpsychotherapie richtet sich der Fokus in der sogenannten Gruppenanalyse stärker auf die sozialen Bedingungen bei der Entstehung von psychischen und psychosomatischen Störungen und deren Auswirkungen auf andere.
Die analytische Gruppenpsychotherapie wird von speziell ausgebildeten Psychoanalytikern angeboten. Eine Gruppe umfasst zwischen sieben und neun Teilnehmern.
Ausgangspunkt der analytischen Gruppenpsychotherapie ist die Beobachtung, dass alle seelischen Störungen und ihre Auswirkungen in psychosomatischen Erkrankungen, Ängsten, Depressionen oder immer wiederkehrenden Beziehungsproblemen das Ergebnis von sozialen Schwierigkeiten sind, die der Einzelne nicht angemessen verarbeiten und in sein Leben integrieren konnte. Diese Kernkonflikte, die hinter den Symptomen liegen, zeigen sich im Umgang mit den anderen Gruppenteilnehmern und können so wahrgenommen und durchgearbeitet werden.
Es gibt auch andere therapeutische Verfahren, die  mit dem Medium der Gruppe arbeiten. Dazu gehört z. B. die Verhaltenstherapie. Diese Formen der Gruppentherapie unterscheiden sich in ihren Vorgehensweisen aber grundlegend von der analytischen Gruppenpsychotherapie.
 

Wann ist eine analytische Gruppentherapie hilfreich?

Hemmungen lösen.

Grundsätzlich kann das gesamte Spektrum der psychischen Erkrankungen mit Hilfe der analytischen Gruppenpsychotherapie behandelt werden.
Individuell kann es Gründe geben, eine Gruppentherapie abzulehnen. Soziale Ängste, etwa die Angst, vor einer Gruppe zu sprechen, oder die Hemmung, sich mit den Problemen anderer zu belasten, sprechen jedoch eher für eine Gruppentherapie.
Für manche Patienten sind die Prozesse innerhalb der Gruppentherapie emotional intensiver spürbar als in der Einzeltherapie. Auch das ist ein guter Grund, sich für eine Gruppenpsychotherapie zu entscheiden.

Sein Selbst erkennen. Im Spiegel der anderen.

Die analytische Gruppe ist ein soziales Feld, in dem sich die Beziehungsprobleme, die einen Patienten in Behandlung geführt haben, abbilden und dort verstanden und bearbeitet werden können.
Dem einzelnen Patienten dient die Gruppe als Spiegel, indem er in den anderen seine eigenen Konflikte, Ängste und erfolglosen Lösungsversuche besser wahrnehmen und damit  verändern kann.
Dabei ist nicht nur die Durcharbeitung der eigenen Problematik hilfreich, sondern auch die direkte Auseinandersetzung mit den anderen.
Dazu gehört die Beobachtung sowohl von Beziehungsabläufen zwischen einzelnen Gruppenmitgliedern als auch in der Gruppe insgesamt und der Beziehung zwischen der Gruppe und dem Therapeuten.

Gesunde „Ich“-Anteile mobilisieren.

Die analytische Gruppenpsychotherapie macht auch deutlich, wie sehr wir Menschen in unserer Kultur isoliert sind in unseren kleinen, häufig abhängig machenden Familienstrukturen.
So hilft der Gruppenzusammenhang, die vielen gesunden „Ich“-Anteile zu mobilisieren, die häufig in der Isoliertheit der eigenen Lebensbezüge nicht wirklich zum Tragen kommen. Für viele Patienten kann so auch ein Teil der blockierten „Ich“- und Persönlichkeitsentwicklung durch die Dimension der Gruppe nachgeholt werden.
 

Wie verläuft eine Behandlung?

Die Zusammenstellung der Gruppe liegt in der Verantwortung des Gruppenpsychotherapeuten. Im stationären Bereich gibt es Gruppen, die nach spezifischen Problemschwerpunkten zusammengestellt werden, wie Suchtproblematik oder Essstörungen.
Der ambulant arbeitende analytische Gruppentherapeut wird dagegen in der Regel versuchen, die Gruppe nach Problematik, Geschlecht, Alter und sozialem Hintergrund möglichst vielfältig zu halten.

Die Vorgespräche.

Vor dem Beginn einer Gruppentherapie ist es wichtig, dass Patient und Therapeut genau besprechen, welche Methode zur Behandlung der Probleme sinnvoll ist und wie die Behandlung im Wesentlichen verläuft.

Wöchentliche Treffen.

Eine Gruppe trifft sich regelmäßig mindestens einmal pro Woche.
In ihrer Zusammensetzung geht sie nach dem sogenannten Slow-open-Prinzip vor. Das heißt, sie nimmt nur dann ein neues Mitglied auf, wenn ein Teilnehmer die Behandlung abgeschlossen hat.

Gegenseitige Motivation.

So besteht eine Gruppe meistens aus Mitgliedern mit ganz unterschiedlichen Behandlungsfortschritten und oft kann eine Gruppe durch den langen Umgang miteinander auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken und diesen in die aktuellen Gespräche einbringen. So kann man als Neuer in der Gruppe nicht nur intensiv erleben, welche Veränderungen die Behandlung für die Einzelnen erbracht hat. Man kann sich auch mit den anderen identifizieren und sich in seinen eigenen Fortschritten an ihnen spiegeln: Das schafft viel Motivation für die eigene seelische Arbeit.
 

Wie lange dauert eine Behandlung?

Die analytische Gruppenpsychotherapie ist in ihrer Behandlungsdauer der analytischen Einzeltherapie vergleichbar. Die Auswertung vieler Behandlungsverläufe bestätigt, dass nicht das Setting (Einzel-/Gruppentherapie, nieder-/hochfrequent) bestimmend ist für die Behandlungsdauer. Eine umso größere Bedeutung kommt der angemessenen Indikationsstellung und Wahl des Verfahrens zu, wie es im Psychoanalyse Netzwerk gegeben ist.


Wer übernimmt die Kosten?

Von den gesetzlichen Krankenkassen wird die analytische Gruppenpsychotherapie nach Bewilligung in einem bestimmten Umfang finanziert, von den Beihilfestellen entsprechend anteilig und von den privaten Krankenversicherungen je nach Vertragsvereinbarung.
In der Regel können krankenversicherte Patienten davon ausgehen, dass ihre Behandlungskosten bei entsprechender Indikation von der Kasse übernommen werden, ohne dass eine private Zuzahlung oder eine Privatfinanzierung der Therapie notwendig ist.
 

Wie diskret ist der Umgang mit vertraulichen Informationen?

Sowohl der Therapeut als auch alle Gruppenmitglieder unterliegen der Schweigepflicht. Dies gilt für alle Inhalte der therapeutischen Gespräche und für alles, was man im Rahmen der Therapie voneinander erfährt.

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