Psychoanalyse Netzwerk

Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Was ist analytische Kinder- und Jugendpsychotherapie?
Wann ist eine analytische Kinder- und Jugendpsychotherapie hilfreich?
Wie verläuft eine analytische Kinder- und Jugendpsychotherapie?
Wie lange dauert eine Therapie?
Wer übernimmt die Kosten?
Wie diskret ist der Umgang mit vertraulichen Informationen?

 

Was ist analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie?

Jeder Entwicklungsschritt unserer Kinder ist mit neuen psychischen Anforderungen verbunden. Kinder erweitern ihren Spiel- und Entscheidungsraum und fordern dabei von Eltern und Bezugspersonen, dass sie ihnen die notwendigen Freiräume schaffen und Grenzen setzen.
Aber Eltern können nie unbegrenzt auf Kinder eingehen: Wir alle können die Welt nur so verstehen, wie sie sich uns aufgrund unserer eigenen Lebenserfahrung darstellt.
So gehört es zum normalen Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen, dass Störungen auftreten. Das sind nicht immer Anzeichen einer seelischen Erkrankung, denn ohne Höhen und Tiefen ist Entwicklung in keiner Familie denkbar.
Es kann jedoch sein, dass sich Eltern und Kinder oder Jugendliche durch anhaltende Störungen oder häufig wiederkehrende Konflikte verunsichert fühlen oder dass Lehrer, Erzieher oder Ärzte auf Probleme aufmerksam machen, die genauer untersucht werden sollten, um herauszufinden, ob es sich um eine psychische Erkrankung handelt.
 

Wann ist eine analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie hilfreich?

Immer dann, wenn bei Kindern oder Jugendlichen eines oder mehrere der folgenden Symptome verstärkt auftreten, ist es ratsam, psychotherapeutische Hilfe zu suchen: 

  • Ängste, Depressionen, Unruhe
  • Auffallend aggressives Verhalten
  • Lern- und Arbeitsstörungen
  • Kontakt- und Beziehungsschwierigkeiten
  • Spannungszustände, z. B. Spannungskopfschmerzen, Schlafstörungen, Nägelkauen, dauerhafte Tics
  • Zwänge, d.h. immer wiederkehrende Gedanken oder Handlungen
  • selbstverletzendes Verhalten, z.B. Ritzen
  • suizidales Verhalten, z. B. häufiges Sprechen über Selbstmord
  • Suchtverhalten, z.B. Spielsucht
  • Neigung zu Unfällen
  • Dissoziales Verhalten, z.B.  Weglaufen, Schule schwänzen, Stehlen und Lügen
  • Intensive Gemütszustände, die sich körperlich auswirken, z.B. Bauchschmerzen
  • Einnässen oder Einkoten
  • Körperliche Erkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis, an denen häufig auch seelische Faktoren mit beteiligt sind
  • Psychogene Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Fettsucht
  • Schwere Erkrankungen von Geschwistern oder Familienmitgliedern, die für ein Kind besonders belastend sind
  • Anhaltende Einschlaf- und Durchschlafstörungen

Meist sind es die Eltern eines Kindes, die Kontakt zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aufnehmen.
Jugendliche können sich aber auch ohne ihre Eltern an einen Psychotherapeuten wenden.
 

Wie verläuft eine analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie?

Symptome erkennen.

Die Psychoanalyse versteht die Krankheitssymptome als den Ausdruck von seelischer Not und den missglückten Versuch, einem ursprünglich seelischen oder zwischenmenschlichen Konflikt auszuweichen.
So kann es beispielsweise sein, dass ein Kind Nägel kaut, weil es seinen Ärger gegenüber Eltern und Geschwistern aus Sorge um eine gute Beziehung nicht angemessen zum Ausdruck bringen kann. Oder eine Jugendliche wird magersüchtig, weil sie nicht rechtzeitig wagt, sich mit ihren Ängsten hinsichtlich des Erwachsenwerdens anzuvertrauen.

Lernen, sich selbst besser zu verstehen.

Kinder bringen ihre Probleme vor allem im Spiel zum Ausdruck, während Jugendliche eher darüber sprechen, was sie belastet.
In der Beziehung zum Therapeuten zeigen sich die Probleme so, wie sie auch in den sonstigen zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten.
In einer vertrauensvollen Atmosphäre hilft der Therapeut dem Kind oder Jugendlichen, sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren.

Konflikte lösen.

Weil jeder Mensch ganz unterschiedliche Erfahrungen und Eindrücke wichtig findet, kann es in einer Therapie immer auch eine sehr individuelle Lösung eines Problems geben. Durch die innere Sicherheit, die ein junger Patient in der therapeutischen Beziehung gewinnt, kann er neue Wege zur Lösung seiner Konflikte finden. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit aus, sondern auch auf die Beziehungen.

Offene Elterngespräche.

Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für ihre Kinder. Das gilt auch während einer Psychotherapie.
Daher gehören zu einer Kindertherapie immer auch regelmäßige Elterngespräche.
In diesen Gesprächen wird daran gearbeitet, wie Eltern die Schwierigkeiten ihrer Kinder anders verstehen lernen und sie dadurch zukünftig besser unterstützen können.
Wichtiges Ziel ist es, dass alle in der Familie so miteinander leben können, dass die Bedürfnisse von Eltern und Kindern gleichermaßen Raum finden.
Weil sich Erwachsene im Umgang mit Kindern zwangsläufig auf die Erfahrungen aus der eigenen Kindheits- und Lebensgeschichte beziehen, wird auch diese in die Gespräche einbezogen.

Vorgespräche und Diagnostik.

Im Laufe mehrerer Vorgespräche mit den Eltern und während diagnostischer Termine mit dem Kind oder dem Jugendlichen macht sich der Psychotherapeut unter Einbeziehung psychodiagnostischer Tests ein Bild von der Art und dem Ausmaß der seelischen Probleme. Zudem wird von einem Arzt geprüft, ob körperliche Erkrankungen vorliegen, die eventuell behandelt werden müssen.
Wenn der Therapeut eine Therapie für notwendig erachtet, bespricht er mit dem Kind oder Jugendlichen und den Eltern den notwendigen Umfang und die individuellen Ziele der Behandlung.
Entscheidend für ein Gelingen ist für alle Beteiligten, dass sie sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit vorstellen können.
Wenn das nicht der Fall sein sollte, ist es ratsam, den Therapeuten zu wechseln. Ein Abbruch während der laufenden Behandlung hat oft ungünstige Auswirkungen.
 

Wie lange dauert eine Therapie?

Um die individuelle Art und Weise, wie jemand denkt und fühlt, zu verstehen, braucht es Zeit. Abhängig vom Problem und von dem vereinbarten Therapieziel kann eine Behandlung zwischen sechs Monate und mehrere Jahre dauern.
Die Termine mit dem Kind oder dem Jugendlichen finden regelmäßig ein- oder zweimal wöchentlich statt. Begleitet werden diese Sitzungen von regelmäßigen Elterngesprächen, deren Häufigkeit ebenfalls von der Problemstellung und der gemeinsam erarbeiteten Zielsetzung abhängt.


Wer übernimmt die Kosten?

Die analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie mit begleitender Elternarbeit ist eine Krankenbehandlung.
Deshalb werden die Kosten für die Behandlung und die Vorgespräche von den gesetzlichen Krankenkassen nach Bewilligung finanziert, von den Beihilfestellen entsprechend anteilig und von den privaten Krankenversicherungen je nach Vertragsvereinbarung.
 

Wie diskret ist der Umgang mit vertraulichen Informationen?

Sämtliche Inhalte therapeutischer Gespräche werden streng vertraulich behandelt. So kann es zwar Familiengespräche zwischen Eltern und Kindern im Beisein des Therapeuten geben, aber Eltern oder Kinder werden vom Therapeuten nicht erfahren, was in der Therapie oder den Elterngesprächen jeweils gespielt oder gesprochen worden ist.
 

[ nach oben ]